Unwörter im Coaching-Kontext

Ja, ich gebe es zu:

manche Wörter auf dieser WebSite gehören zu den richtig auffälligen Unwörtern der deutschen Sprache unserer heutigen Zeit.

Unwörter sind Wörter, deren verheißungsvolle Karriere, meist durch eine skurrile Fremd- oder Überbenutzung schonungslos und prominent abgestürzt ist. So liest man bei der Definition im Netz (Quelle: http://www.unwortdesjahres.uni-frankfurt.de/), dass Unwörter „sprachliche Missgriffe“ seien, die „besonders negativ aufgefallen“ sind. Die ernsthafte Auseinandersetzung damit hat durchaus etwas ungewollt satirisches in seiner unerhörten Wucht, finde ich. Zu den von einer Jury gewählten Wörter, pardon – Unwörter, gehören meist solche wie:
Personalentsorgung, Rentnerschwemme, Gesundheitsreform, Gewinnwarnung, Ich-AG, Humankapital, Langlebigkeitsrisiko, Nachinformation und in 2010: alternativlos.

Darüber hinaus gibt es Unwörter mit einer weitaus größeren Nutzung in der Wirtschaftswelt. Wörter, die man mit Bedacht wählen sollte:
Innovation, Leadership, Potenzial, Wissensmanagement, Leistungsgrenzen, Teamgeist, Charisma, Burnout, Mobbing … mit solchen Wörtern spielen frustrierte Angestellte oft Bullshit-Bingo. Dabei können diese Wörter an sich, anders als ihre Jury-‚gewählten‘ Kollegen, gar nichts dafür. Sie werden leider oft nur unbewusst oder schlicht falsch oder zu oft verwendet.

Wie gehe ich nun mit Wörtern um, die ich anders meine, als andere?
Eine kleine, augenzwinkernde Reflexion.

Lieblings-Unwort: nachhaltig

Grauenvoll. Jetzt könnte ich mich herausreden, dass ich das Wort schon benutzt habe, als es noch kein Unwort war. Ich könnte auch Arme-rudernd versichern, dass der Anspruch meiner Arbeit ja nun wirklich tatsächlich nachhaltig ist – und ich ihn nicht nur als schickes Modewort gebrauche.
Wenn ich es jedoch nicht verwenden würde, könnte man mir unterstellen, ich hätte ja wohl nicht begriffen, wie wichtig Nachhaltigkeit in der heutigen Zeit wäre. Wie dem auch sei – ich verstehe, wenn Sie über dieses wunderschöne Platz 1 – Unwort nachhaltig genervt sind.

Zweiter Platz: effizient

Als ob nachhaltig nicht schon genug wäre, jetzt muss es auch noch effizient sein. Effizienz ist ein must have, niemand würde behaupten, er oder seine Arbeit wären nicht effizient. Aber was sagen nun die, die tatsächlich glauben, effizient zu arbeiten, ohne sich dem Augenrollen auszuliefern?

Wär hätte das gedacht: ausgerechnet Coaching!

Das ist mein persönlicher Tiefschlag. An anderer Stelle auf dieser WebSite schreibe ich über die missliche Verwendung des Wortes ‚Coaching‘, zu dem es übrigens leider kein deutsches Äquivalent gibt.

Ein typischer Dialog zwischen jemand und mir:

Jemand: „Was machen Sie beruflich?“

Ich: (blitzschnell wägt der Anteil meines Gehirns, der aus Reptilienzeiten stammt, die Optionen ‚Angriff-Flucht-Verteidigung‘ ab. Ich schaue ihm suchend in die Augen und überlege, wie ich aus der Nummer heil herauskomme … wie erkläre ich, dass ich Coach bin, ohne dass er einen schnellen Grund finden wird, das hoffnungsvoll startende Gespräch unauffällig zu beenden? Ich hole Luft und ringe nach Worten, etwa so …)
„Das ist eine gute Frage!“
(ich nehme einen tiefen Schluck aus meinem Glas, um Zeit für eine gute Antwort zu gewinnen. Mein prüfender Seitenblick verrät mir, dass man mir noch zugewandt und aufmerksam zuhört)

„Ich arbeite mit … Menschen … in der …“
(wie lange kann man noch das nachfolgende Wort verwenden, bis auch dies zum Unwort wird?)
“ – Persönlichkeitsentwicklung“
(platzt es aus mir heraus und ich lege gleich nach, da er noch fragend schaut)
“ – aber nicht nur, ich bin …“
(meine Handinnenflächen werden feucht)
„COACH!“
(jetzt ist es doch aus mir wortgewaltig herausgebrochen, dieses Wort, einfach, weil es am besten das erklärt, was ich tue. Man hört eine Stecknadel fallen. Ich bilde mir ein, dass alle anderen Gespräche im Raum verstummen und sich alle nach mir umdrehen, ich kann mich aber auch täuschen. Ich harre der urteilenden Antwort meines Gesprächspartners).

Jemand: „Aaahhh …“
(er nickt wissend und ich meine in seiner Körpersprache zu erkennen, dass er sich innerlich zurückzieht, ich sehe Schubladen auf und zu gehen, weshalb ich hastig nachlege und dabei versuche, entspannt zu wirken …)

Ich: „Nein, nein, nicht sooo ein Coach. Ich arbeite anders.“
(ich wundere mich über meine Worte, denn tatsächlich arbeite ich überhaupt nicht anders – sondern eben genau als Coach, also als so ein echter Coach – die anderen, die er meint, die nennen sich so – aber das kann ich schlecht sagen, ohne überheblich zu klingen.)

Jemand: „Anders?“
(immerhin stellt er noch Fragen und hat mich nicht aufgegeben. Jetzt habe ich erfahrungsgemäß noch eine letzte Chance, aus seiner Schubalde wieder herauszukommen …
ich entscheide mich diesmal für den jovialen, halb-akademischen Rettungsansatz unter Vermeidung aller mir bekannten Unwörter und ohne den Branchenruf noch mehr zu diskreditieren)

Ich: „Nun ja, … der Begriff ‚Coach‘ ist ja nicht näher definiert, weshalb ihn viele in anderen Zusammenhängen verwenden. Das ‚echte‘ Coaching sieht den Kunden auf Augenhöhe und als Experten für seine Lösung …“
(höre ich mich lehrbuchartig sagen und kann mich selbst nicht dabei leiden, aber ich jogge weiter durch den Erklärbärenwald …)
„Als Coach suche ich mit meinem Klient nach Lösungen, die weder ihm noch mir zuvor bewusst waren.“
(da mein Gesprächspartner nach wie vor einen interessierten Eindruck erweckt, enstpanne ich mich ein wenig …)
„Man könnte auch sagen: Mein Job ist, dass Menschen und Organisationen schneller und wirksamer dahin finden und zu dem werden, was sie wirklich wollen …“

Pause.

(hoffentlich fragt er jetzt nicht so was wie: „Dann sind Sie also so etwas wie ein Unternehmensberater?“ Damit hätte er sogar bedingt Recht – es wäre aber stark erklärungsbedürftig. Oder noch gefürchteter: „Sind Sie Erfolgs- oder Motivationstrainer?“ Bitte, bitte, nur das nicht …)

Jemand: „Coach, …ok.“ (er schaut mich an, und heimlich meine ich zu sehen, wie er seine Schubladen teilweise neu sortiert …)

Diesmal, so scheint es, bin ich gut davon gekommen …

© 2011 Christian Wedemeyer

Coaching mit dem Schwert

Life Coaching Petersberger Trainertage 2009Coaching soll effizient sein, es soll nachhaltig Veränderungen generieren, neue Handlungsspielräume öffnen, bisher ungenutzte Ressourcen aktivieren und über neue Erfahrungen anderes Verhalten ermöglichen.

Auf einen Punkt gebracht: wer in Coaching investiert, will ein Vielfaches des Investments in Form von „mehr an“ zurückgewinnen: Leistung, Wirkungsgrad, Klarheit sollen sich signifikant steigern.

Warum Coaching mit dem Schwert?

Was man zunächst als „mittelalterliches Abenteuerspiel“ belächeln könnte – erwachsene Führungskräfte im Anzug mit einem echten Schwert in der Hand – wird bereits nach kurzem Eindruck des Life-Coachings in der Erkenntnis münden:

Life Coaching Petersberger Trainertage 2009Hier geht es um bodenständiges, hocheffizientes, punktgenaues Business-Coaching. Was sich im rein mental-rationalen Coaching i.d.R. erst nach zwei Sitzungen zeigt, wird bei dieser unkonventionellen Coachingtechnik oft bereits nach wenigen Minuten deutlich.

Hier geht es nicht um Kraftmeierei oder Kampf. Im Gegenteil.

Das Schwert versinnbildlicht wie wenig andere Metaphern im Coaching die provozierende Ambivalenz zweier Gegensätze: es ist ein Instrument zum töten, eine Angriffswaffe, genauso aber ein Symbol für Klarheit, Fokussierung, Grenzziehung und Souveränität.

Jeder Klient assoziiert – in Verbindung zu seinem Coaching-Anliegen – eine andere Symbolik. Bei der Suche nach Lösungen zeigt die Art und Weise, wie mit dem Schwert in Kontakt gegangen wird, das Entwicklungsthema auf:

  • wie fasse ich das Schwert an, nehme es in Besitz, z.B. bei der Symbolik der eigenen Antriebskraft im Rahmen einer anstehenden Veränderung?
  • welche Haltung habe ich zu den destruktiven Aspekten, die mir das Schwert spiegelt? Stehe ich dazu? Lehne ich sie ab oder habe ich sie bereits integriert?
  • wie ist mein „Standing“: bin ich präsent, fokussiert, souverän oder eher wankelmütig, unsicher, verloren?

Life Coaching Petersberger Trainertage 2009All das, was körpersprachlich, aber auch emotional und mental zum Ausdruck kommt, kann in Bezug auf das Anliegen reflektiert werden: was bedeutet das ganz konkret für meine Situation? Wie kann ich die Erfahrung ankern und umsetzen?

Eins ist sicher: das, was an Erkenntnis entsteht, hat nur sehr bedingt mit einem Gegenstand aus Federstahl mit Leder zu tun. Das, was der Klient nach dieser kurzen Sitzung für sich mitnimmt, ist bereits in ihm vorhanden und durch die Metapher ins Bewusstsein gerückt – in dem er es klar und verantwortungsvoll in seinen Alltag umsetzen kann – dann ohne Schwert, aber mit einer starken Erinnerung.

Inspirationen – Gedankenfloating

Nutzen Sie diese Seite, machen Sie kurz Pause, um Ihr Denken mit neuen Perspektiven zu entspannen. Spielen Sie mit Ideen, lassen Sie Ihren Geist sich selbst neu erfinden.
Auf dieser Seite stelle ich Ihnen in diesem Sinne ausgesuchte Kurzfilme vor.

Erweitern Sie Ihren Handlungsspielraum mit kreativen, ungewöhnlichen, neuen und findigen Lösungsansätzen!

Viel Spaß beim staunen und schmunzeln!

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Merci

[image title=“Merci“ size=“medium“ icon=“play“ lightbox=“true“ link=“http://www.youtube.com/watch?v=bH3Vwej4o74″]/wp-content/uploads/2011/03/merci.jpg[/image]
Ein 7 minütiger Kurzfilm von Christine Rabette, 2002, in dem ein Mann auf ungewöhnliche Art seine Mitmenschen in der Pariser Metro erreicht. Eine interessante „Intervention“. 😉 Bestechend in seiner Realistik, auch wenn es so vermutlich noch niemand ausprobiert hat.

Le Cheval

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Tatsächlich passiert: 1997, während des französischen Rad-Etappenrennens „Critérium international“ springt ein Pferd, das sich als Herdentier eingeladen fühlt, mitzurennen, über den Zaun seiner Koppel und setzt sich schließlich an die Spitze des Radrennens. Eine wundervolle Metapher dafür, welches Potenzial wir in bestimmten Situationen mobilisieren können – und welche Außenreize darin unterstützen. (Im Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ wird diese Szene verwendet, dort allerdings in Zusammenhang mit der Tour de France gebracht.)

Varieté

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Artist spielt Piano – mit Bällen. Es gibt unzählige Künstler, die unglaubliche Akrobatik leisten. Hier als Beispiel einer von Ihnen, der seine entwickelten Fähigkeiten präsentiert.

Musterunterbrechung

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Ein ungewöhnliches Beispiel für paradoxe Musterunterbrechung. Die Wirksamkeit dieser Intervention ist offensichtlich.

[blockquote align=“left“ cite=“unbekannt“]Warum hat der Mensch nie was er will? Ganz einfach: Wollte er was er hat, dann hätte er was er will. Da er aber nie will was er hat, hat er nie was er will.[/blockquote]

[blockquote align=“left“ cite=“Antoine de Saint-Exupéry“]Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.[/blockquote]

[blockquote align=“left“ cite=“Dr. Anthony Campolo, Soziologe“]Die Vergangenheit ist wichtig. Aber für deine Gegenwart ist sie nicht halb so wichtig, wie deine Art, die Zukunft zu sehen.[/blockquote]

[blockquote align=“left“ cite=“Henry Ford“]Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.[/blockquote]

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Balloons

[image title=“Balloons“ size=“medium“ icon=“play“ lightbox=“true“ link=“http://www.youtube.com/watch?v=zyyCcjbrWOM“]/wp-content/uploads/2011/03/balloons.jpg[/image]
Der Einsteller schreibt dazu: One hundred six balloons in a mass ascension at the Reno Balloon Race. Can you see where the cow jumped over the moon? Eine einminütige Zeitrafferanimation über ein Heißluftballonrennen. Ich mag diesen Perspektivwechsel, weil er uns über die Zeit erhebt und darüber andere Pointen entstehen.

Dolphin Rings

[image title=“Dolphin Rings“ size=“medium“ icon=“play“ lightbox=“true“ link=“http://www.youtube.com/watch?v=TMCf7SNUb-Q“]/wp-content/uploads/2011/03/dolphinrings.jpg[/image]
Bezaubernd: Delphine erzeugen und spielen mit Ringen aus Luft! Einminütiges Amateurvideo eines Delphinariums, vermutlich Orlando, Sea World. Dieses Video taucht ein in die Welt dessen, was wir zwar erstaunt sehen, aber nicht ohne Weiteres verstehen können – auch wenn es offensichtlich möglich ist.

Kolumbianischer Torwart

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Mal eine andere Art, den Ball abzuwehren: Remarkable peace of goal keeping from the master of the unpredictable! 🙂 Selbstsicherheit, Mut und Risiko – oder einfach nur Glück und verspielte, unverantwortliche Selbstdarstellung? Während ein Deutscher vermutlich nie diese Abwehr wagen würde (nicht zuletzt, weil er nicht mit den Folgen seines potenziellen Scheiterns leben könnte), scheint es für den Kolumbianer keine Option zu sein, sich diesbzgl. zu hinterfragen. Was können wir daraus mitnehmen?

Was, wenn man auf der Rolltreppe feststeckt?

[image title=“Escalator ad“ size=“medium“ icon=“play“ lightbox=“true“ link=“http://www.youtube.com/watch?v=FSIkjNaICsg“]/wp-content/uploads/2011/03/rolltreppe.jpg[/image]
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen dringenden Termin – und stecken plötzlich auf der Rolltreppe fest, weil diese stehenbleibt. Auch diese Werbung, die mit scheinbar unlösbaren Momenten aufwartet, ist eine feine Metapher für so manche Change-Prozesse mit festgefahrenen Sichtweisen. Auch drängen sich leicht Parallellen – unfreiwillig komisch oder traurig? – zur aktuellen politischen Lage auf …

[blockquote align=“left“ cite=“Albert Einstein“]Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erschien.[/blockquote]

[blockquote align=“left“ cite=“Thor Heyerdahl, überquerte 1947 mit einem Segelfloß den Pazifik“]Grenzen? Ich habe niemals eine Grenze gesehen. Aber ich hörte, dass sie im Geist vieler Menschen existieren.[/blockquote]

[blockquote align=“left“ cite=“Marc Aurel“]Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben![/blockquote]

[blockquote align=“left“ cite=“Sacha Guitry, frz. Schriftsteller“]Der Weg zum Erfolg wäre kürzer, wenn es unterwegs nicht so viele reizvolle Aufenthalte gäbe.[/blockquote]

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Wenn es Ihnen gefallen hat, schreiben Sie mir doch Ihre Lieblingszitate, Kurzfilme, Ungewöhnliches, Nachdenkliches, Humoriges!

Coaching – Next Practice

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[blockquote cite=“Christian Wedemeyer“]Wenn sich Intuition des Coaches und des Coachees treffen, so betritt man im Beratungsfeld den Raum mit dem höchsten Veränderungspotenzial. Hier ist der Ort, an dem persönliche Quantensprünge möglich sind.[/blockquote]

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Coaches sind in turbulenten Zeiten mehr denn je notwendig und gefragt. Bei den heutigen Herausforderungen von Instabilität und großen Veränderungen sehen sich die Kunden oft vor einem schier unbezwingbarem Berg, der bei knappen Ressourcen Großes bewegen soll.

Die Coaches sind im Beratungsverhältnis fein raus: sie stehen in zweiter Reihe und beraten mit oder ohne Ratschlag und sind „nur“ insofern gefordert, das Beste für ihre Klientel in Sachen Prozessverantwortung zu leisten. Den Aufstieg auf den Berg aber muss der Kunde letztlich allein bezwingen.

In Zeiten wie diesen stellt sich für mich daher die Frage, inwiefern Coaches nicht auch ihre Beratungsform selbstkritischer denn je hinterfragen sollten. Mit anderen Worten: ist Coaching, wie es heute gelehrt und anerkannt wird, überhaupt zeitgemäß? Ist herkömmliches „Business Coaching“ noch „on the edge“ oder liegen wir Coaches mit unseren vielfältigen mental-rationalen Interventionsmethodenköfferchen nicht bereits hinter den Anforderungen moderner, zukunftsfähiger „best practice“? Was ist die „next practice“ im Business Coaching?

Genügt es heute noch, auf einer rein mentalen, rationalen Ebene mit seinen Klienten Strategien und Ziele zu entwickeln?

Die meisten Coaches trauen sich noch auf die emotionale Ebene, weil sie die Erfahrung haben, dass viele Schätze in persönlichkeitsbezogener Beratung genau dort zu heben sind.

Nur wenige beziehen über die mentale und emotionale bereits die intuitive Beratungsebene mit ein, in der es um noch mehr Feinheiten geht. Wenn sich Intuition des Coaches und des Coachees treffen, so betritt man im Beratungsfeld den Raum mit dem höchsten Veränderungspotenzial. Hier ist der Ort, an dem persönliche Quantensprünge möglich sind.

Coaching mit dem Schwert - Next Practice Coaching?Meine persönliche „next practice“ entwickelt sich mit jedem Beratungsgespräch einen kleinen Schritt weiter: seit 2008 ist es neben der intuitiven Ebene die Hinzunahme eines archaischen, körpersprachlichen Raumes, der über die Metapher des Schwertes betreten wird. Meine Erfahrung ist, dass es, hervorgerufen durch die stark polarisierende Ambivalenz dieses Symbols, häufig um die Integration verdrängter Persönlichkeitsanteile geht. Persönliche Entwicklungsthemen können mit diesem Ansatz auf kraftvolle Art fundamental bearbeitet werden.

Next Practice Coaching – ich lade alle Coaches und Berater ein, zu reflektieren, was ihr nächster Schritt in Richtung Veränderung ist: welche Beratungsformen sind tatsächlich zeitgemäß und am Bedarf ihrer Klientel orientiert?

Zu meiner Next-Practice gehört auch mein neuartiges Ausbildungskonzept einer Coaching Kompaktausbildung: während übliche Coaching-Ausbildungen in einem Training nach einheitlichem Lehrplan vorgehen, geht meine Ausbildung auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer ein: manche haben bereits eine systemische Ausbildung, andere haben Arbeits- und Orgnaisationspsychologie studiert und jahrelange Erfahrung im Personalwesen. Diese Teilnehmer möchten in einer ca. sieben- bis zehntausend Euro teuren Ausbildung nicht für Theorien bezahlen, die sie bereits kennen oder die für ihr Anwendungsfeld im Coaching nicht notwendig sind: sie möchten als Coach arbeiten und das möglichst bald und kostengünstig.

So sucht man noch nach maßgeschneiderten Fortbildungen in einem Meer von Standard-Ausbildungen nach festem Lehrplan. Meine praxisorientierte Ausbildung Coach Compact! stellt den Teilnehmer in den Mittelpunkt und baut um ihn herum die Entwicklungsschritte, die er benötigt, um ein brillanter Coach zu werden.

Diese verflixten Widerstände

Hier eine kleine, augenzwinkernde Anleitung aus dem Coaching-Alltag …

Kennen Sie das?

Sie wollen ein Problem lösen.

Genauer gesagt, am liebsten hätten Sie es bereits gelöst. Oder, noch besser, es hätte sich von selbst gelöst, wäre erledigt, vorbei. Kurz: Sie wollen Ihr Problem loswerden.

SeilWer würde das nicht verstehen?

Das Dumme an der ist Sache nur: solange Sie es (von sich) weg haben wollen, solange können Sie es nicht lösen.

Das bedeutet paradoxer Weise: Ihr Problem wird sich solange um Sie kümmern, wie Sie es nicht haben wollen.

Klingt komisch? Ist aber so!

Probieren Sie es doch einfach mal aus:
Üben Sie am selbstgebastelten Problem „Mein Aktionsradius ist zu klein“.

[list style=“list1″]

  1. Binden Sie sich ein Seil um Ihre Hüften und knoten Sie es mit dem anderen Ende an einen festen Gegenstand, etwa an einen Pfosten.
  2. Versuchen Sie nun, von dem Pfosten (=dem Aktionsradius verringernden Problem) möglichst weit weg zu gehen, weiter, als es das Seil zulässt.
  3. Erleben Sie Ihr Problem: Sie kommen nicht so weit, wie Sie gerne wünschten.
  4. Reflektieren Sie Ihr Problem: teilen Sie es anderen mit („Ich würde ja gerne, aber ich kann leider nicht!“ oder „Früher konnte ich weiter, heute geht das irgendwie nicht mehr …“ oder auch „Wenn das Seil nur länger wäre, hätte ich kein Problem!“) und erklären Sie damit anderen, warum dieses Problem bestehen muss.
  5. Wählen Sie eine aus den gängigen, aber leider erfolglosen Strategien:

[/list]

  • das Problem verdrängen: tun Sie einfach so, als ob es Sie nicht weiter stören würde, angebunden zu sein.
  • gegen das Problem kämpfen: zerren Sie so richtig am Seil und tasten Sie sich an die Schwelle heran, wieviel Aufwand es braucht, bis es beginnt, weh zu tun. Und schauen Sie dann, wieviel Zeit Ihnen vermutlich noch bis zum Burn Out bleibt.
  • vor dem Problem resignieren: setzen Sie sich hin und jammern Sie ein bisschen. Andere werden Ihnen möglicherweise unterstützend auf die Schulter klopfen.

Je mehr Sie nun versuchen, Ihr Problem weg haben zu wollen, um so mehr wird Ihnen bewusst, dass es sich so nicht lösen lässt. Aber was tun?

Hier die Auflösung, damit Sie wieder Ihren weitläufigen Aktionsradius haben können:

  1. ERKENNEN. Gehen Sie auf Ihr Problem zu. Schauen Sie es an, betrachten Sie es.
  2. AKZEPTIEREN. Nehmen Sie Ihr (ungeliebtes) Problem an, anerkennen Sie Ihre Wirklichkeit, stehen Sie dazu: Sie müssen Ihr Problem nicht gut heißen, Sie wollen es ja lösen. Bedenken Sie aber, dass sich Konflikte leichter in einer zugewandten Haltung klären. Knoten lösen sich leichter, wenn man das Seil locker lässt und den Knoten versteht.
  3. ENTSCHEIDEN. Treffen Sie die Wahl: (1) Ihr Problem weiter aufrecht erhalten oder (2) lösen. Aber Vorsicht: möglicherweise verzichten Sie anschließend auf bestimmte Vorzüge (z.B. keine Möglichkeit, zu sagen ‚ich kann nicht‘, sondern nur noch ‚ich will nicht‘). Beziehen Sie die Konsequenzen Ihres Handelns mit ein.
  4. HANDELN. Wenn Sie sich entschieden haben (und erst dann!), lenken Sie Ihre volle Aufmerksamkeit und Ihr Wirken auf die neu angestrebte Situation:
  • (1) das Problem weiter behalten: setzen Sie sich, entspannen Sie sich. Sie sind sicher nicht allein mit Ihrem Handycap. Andere werden Sie (trotzdem) mögen. Vielleicht ist es noch nicht der rechte Zeitpunkt.
  • (2) das Problem lösen: binden Sie sich vom Pfosten ab und legen Sie das Seil anschließend zur Seite. Lassen Sie sich dabei ggf. von einem guten Coach unterstützen. Schauen Sie, wie weit Sie jetzt ohne Seil kommen. Achtung: der neu gewonnene Aktionsradius könnte sich zunächst ungewohnt anfühlen. Andere Probleme könnten entstehen, die vorher nicht möglich waren bzw. durch dieses Problem vermieden wurden.

Das klingt jetzt alles – zugegeben – einfach.
Das wäre es tatsächlich, wenn Probleme nicht manchmal auch „ihren Sinn“ machten.

Oder, um es mit Dr. Eckart von Hirschhausen zu sagen:

„Ein Problem ist nicht weniger ernsthaft,
wenn man darüber lacht.“

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes 2011.

Christian Wedemeyer

Live Coaching

Live CoachingUm zu erfahren, was Coaching denn ist – genauer gesagt – was wir darunter verstehen, ist es am besten, eine direkte Erfahrung zu machen. Anstatt darüber zu reden, kommunizieren wir miteinander.

Die Live-Coaching Veranstaltungen laden ein, echte Coaching-Erfahrungen zu erleben – sei es indirekt als Zuschauer oder direkt als Coachee.

Nach einer Einführung in die Welt des Coachings wird Raum gegeben für Fragen und Anliegen. Meist ergibt sich aus dem engagierten Austausch die Fragestellung, was man als Coach in diesem oder jenem Fall tun könnte … wie Coaching an sich wirkt … welche Interventionen warum welche Auswirkungen haben usw.

Als Coachee im Live-Coaching haben Sie ein konkretes Anliegen, das sie mit Unterstützung eines erfahrenen Coaches bearbeiten möchten. Anders als in realen Coaching-Sitzungen findet diese Sitzung vor der am Coaching interessierten Gruppe statt. Der Einsatz ist Mut und Vertrauen, der Gewinn in aller Regel ein Erkenntnisprozess und Klarheit über die nächsten Schritte. Immer wieder reflektiert der Coach vor den Anwesenden seine Interventionen und schafft so Transparenz im Coaching-Prozess.

Als zuhörender Teilnehmer sind Sie eingeladen, dem Verlauf zu folgen. Verschwiegenheit und Respekt sind selbstverständlich. Meist wird die Coaching-Sitzung dazu verwendet, die eigenen Anliegen parallel ‚mitlaufen‘ zu lassen und so ganz nebenbei eine Art Selbstcoaching durchzuführen.

Mit leichter, teils humorvoller Art, der die Tiefe und Ernsthaftigkeit nie entgleiten, führen die beiden erfahrenen Business Coaches Christa Mesnaric und Christian Wedemeyer durch die Veranstaltung.

Lesen Sie hier über eine Live-Coaching Veranstaltung beim BDVT in 2006.

Next Practice Coaching – dort anfangen, wo andere aufhören